Konsumentenpreisindex: Wie entwickeln sich die Preise in der Schweiz?
Heizöl kostet rund 31 Prozent mehr als vor einem Jahr. Kleider wurden im Vergleich zum Vormonat deutlich günstiger. Comparis zeigt, wie sich die Preise für Alltagsgüter 2026 entwickeln.

20.08.2026

iStock / Andrzej Rostek
1. Konsumentenpreisindex: Wie haben sich die Preise verändert?
Der Comparis-Konsumentenpreisindex misst die gefühlte Inflation. Das sind die Entwicklungen im Juli 2026:
Seit Juni 2026
sind die Preise für Alltagsgüter in der Schweiz im Schnitt um 0,1 Prozent gesunken.
Innerhalb eines Jahres
sind die Preise für Alltagsgüter im Schnitt um 0,4 Prozent gestiegen.
Für den Rückgang gegenüber dem Vormonat sorgte vor allem der Saisonschlussverkauf. Bekleidung und Schuhe wurden markant billiger.
Der Comparis-Konsumentenpreisindex in Zusammenarbeit mit der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH misst monatlich die tatsächlich gefühlte Teuerung.
Der Index betrachtet ausschliesslich die Preisentwicklung von regelmässig konsumierten Gütern. Er berücksichtigt verschiedene Haushaltsgruppen, Einkommensklassen und Sprachregionen. Inflationsdämpfende Faktoren wie Mieten oder dauerhafte Güter fliessen nicht in die Teuerungsrate ein.
Der LIK wurde Anfang 2026 neu strukturiert und umfasst nun 13 Hauptkategorien. Neu dabei sind Versicherungen und Finanzdienstleistungen. Grosse Ausgabenposten wie die Prämien für Sozialversicherungen oder die direkten Steuern erfasst er weiterhin nicht.
2. Heizöl teurer, Kleider und Schuhe günstiger
Stärkste Preisanstiege gegenüber dem Vormonat
Energie zum Heizen (Gas, Heizöl, Brennholz und Fernwärme): plus 3,7 Prozent. Heizöl kostet rund 31 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Parahotellerie: plus 19,7 Prozent*. Dazu zählen Ferienwohnungen, Kollektivunterkünfte und Campingplätze.
Sonstige Dienstleistungen für den Individualverkehr: plus 8,9 Prozent*. Automiete und Carsharing allein kosten 26,7 Prozent* mehr als noch im Juni.
Likör und Aperitif-Getränke: plus 5,2 Prozent*
Der Sprung in der Parahotellerie ist saisonal bedingt. In der Sommer-Hochsaison trifft eine stark steigende Nachfrage auf ein begrenztes Angebot. Nach der Hochsaison dürfte sich die Lage wieder entspannen.
Bei Mietwagen lohnt sich der längere Blick: Gegenüber Juli 2025 sind die Preise um 12,9 Prozent* gesunken.
Die erneute Verschärfung der Lage in Nahost hat beim Heizölpreis zu starken Schwankungen geführt. Zwar ist Heizöl in den letzten 3 Monaten 7,4 Prozent* günstiger geworden, kostet aber noch immer rund 31 Prozent mehr als vor einem Jahr. Für eine nachhaltige Beruhigung der Rohölmärkte bräuchte es eine dauerhafte Entspannung der Lage – danach sieht es derzeit nicht aus.
Stärkste Preisrückgänge gegenüber dem Vormonat
Damenbekleidung: minus 11,0 Prozent*
Herrenbekleidung: minus 7,4 Prozent*
Damenschuhe: minus 6,4 Prozent*
Herrenschuhe: minus 5,9 Prozent*
Zum Ende der Sommersaison müssen die Lager für die neue Kollektion Platz machen. Das führt zusammen mit dem hohen Wettbewerbsdruck zu deutlichen Rabatten. Für Konsumentinnen und Konsumenten ergeben sich dadurch attraktive Kaufgelegenheiten.
Tipps: So kommen Sie günstiger durch die Heizsaison
Heizölpreise vergleichen: Die Preise unterscheiden sich je nach Anbieter deutlich. Holen Sie mehrere Angebote ein. Achten Sie dabei auch auf Lieferkosten, Mindestmengen und Zuschläge.
Sammelbestellung prüfen: Bestellen Sie gemeinsam mit Nachbarinnen und Nachbarn. Grössere Mengen bringen je nach Anbieter bessere Konditionen. Bei Einfamilienhäusern lohnt sich eine Einkaufsgemeinschaft besonders.
Früh planen: Beobachten Sie die Preisentwicklung, bevor der Tank fast leer ist. So bleibt Ihnen mehr Spielraum beim Zeitpunkt der Bestellung.
Nicht auf den Tiefstpreis warten: Heizölpreise hängen vom Rohölpreis, vom Wechselkurs und von den Transportkosten ab. Den günstigsten Zeitpunkt zuverlässig vorherzusagen, ist kaum möglich.
Heizung rechtzeitig prüfen: Schon eine etwas tiefere Raumtemperatur senkt den Verbrauch merklich. Wer Räume im Winter nicht über 22 Grad heizt, spart Energie und Kosten.
3. Inflation: Preise im Schweizer Warenkorb im Überblick
So haben sich die Preise für unterschiedliche Produkte und Dienstleistungen entwickelt (Grafik ist interaktiv):
4. Langzeitvergleich: Was ist in den letzten 20 Jahren teurer und was günstiger geworden?
Comparis hat die Preise von Juli 2006 mit jenen von Juli 2026 verglichen. Am stärksten haben sich Zeitungen und Zeitschriften um 74,2 Prozent* verteuert. Zum Vergleich: Der Landesindex für Konsumentenpreise stieg in derselben Zeit um 10,2 Prozent*.
Auch diese Güter wurden in den letzten 20 Jahren deutlich teurer:
Elektrizität: plus 63,0 Prozent*
Energie zum Heizen (Gas, Heizöl, Brennholz und Fernwärme): plus 56,1 Prozent
Tabakwaren: plus 55,8 Prozent*
Finanzielle Dienstleistungen: plus 46,7 Prozent*
Der Eindruck, dass alles teurer wird, täuscht aber teilweise. Verschiedene Güter des täglichen Gebrauchs kosten heute deutlich weniger als noch vor 20 Jahren:
Medikamente und Heilmittel: minus 41,7 Prozent*
Kleine Haushaltsgeräte: minus 39,9 Prozent*
Elektrische Geräte für die Körperpflege: minus 29,9 Prozent*
Bild- und Tonträger: minus 29,0 Prozent*
5. Wer spürt die Teuerung in der Schweiz am meisten?
Nicht alle Haushalte spüren die Teuerung gleich stark. Das Konsumverhalten unterscheidet sich nach Alter, Einkommen und Region.
Nach Haushaltstyp
Paare ab 65 Jahren ohne Kinder spüren die höchste Teuerung: plus 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juli wurde das Leben für sie aber günstiger (minus 0,2 Prozent).
Paare mit Kindern spüren die Teuerung am wenigsten. In den letzten zwölf Monaten betrug sie plus 0,3 Prozent, ihr Indexstand liegt bei 109,8.
Nach Einkommen
Die tiefste Einkommensklasse ist am stärksten betroffen: plus 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juli sanken die Preise für sie um 0,1 Prozent.
Die höchste Einkommensklasse spürt die Teuerung am wenigsten: plus 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch für sie wurde der Konsum im Juli um 0,1 Prozent günstiger.
Nach Sprachregion
Deutschschweiz: plus 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juli sank das Preisniveau um 0,1 Prozent.
Italienische Schweiz: plus 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juli wurde das Leben dort um 0,1 Prozent teurer.
6. Wie entwickeln sich Konsumentenpreisindex und LIK?
Die gefühlte Teuerung ist in den letzten Jahren höher gewesen als die Teuerung gemäss Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) des Bundesamtes für Statistik (BFS).
Hier sehen Sie die Index-Entwicklung im Vergleich.
Mit einem Stern (*) gekennzeichnete Zahlen wurden vom Bundesamt für Statistik (LIK/BFS) direkt berechnet respektive beruhen auf den Zahlen des LIK/BFS.
Teilen via:
Dieser Artikel wurde erstmals produziert am 30.05.2022




