Krankenkassenprämien 2027 steigen um 5 Prozent: Das steckt dahinter
Im Jahr 2027 steigen die Krankenkassenprämien durchschnittlich um 5 Prozent. Comparis-Versicherungsexperte Harry Büsser ordnet den Anstieg ein.

29.09.2026

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1. Keine Beruhigung beim Anstieg der Krankenkassenprämien
Nach mehreren Jahren mit starken Erhöhungen bleibt die erhoffte Entspannung aus. 2027 steigt die mittlere Krankenkassenprämie in der Schweiz um 5 Prozent. Wie stark die persönliche Prämie steigt, kann allerdings deutlich davon abweichen.
Mit einem Vergleich können Sie Prämien sparen
Der durchschnittliche Prämienanstieg von 5 Prozent heisst nicht, dass Ihre Prämie gleich stark steigt. Je nach Wohnort, Krankenkassenmodell und Franchise kann sich Ihre Prämie auch stärker oder weniger stark verändern.
Wenn Sie verschiedene Krankenkassen vergleichen, haben Sie die Höhe des Anstiegs zum Teil selbst im Griff. Denn: Mit einem Wechsel der Krankenkasse können Sie teilweise mehrere hundert Franken sparen. Das gilt auch, wenn Ihre Prämie nicht steigt, Sie aber momentan bei einer Krankenkasse sind, zu der es günstigere Alternativen für Sie gibt.
Im Krankenkassenvergleich von Comparis sehen Sie Prämien und Kundenzufriedenheit der verschiedenen Anbieter in der Übersicht – und können sich so ganz einfach für die passende Krankenversicherung entscheiden.
2. Übersicht: Entwicklung der Krankenkassenprämien in der Schweiz
In der Grafik sehen Sie die Entwicklung der Krankenkassenprämien seit 1999 mit dem Durchschnittswert für die ganze Schweiz und für erwachsene Personen.
Comparis beobachtet die Entwicklung von Prämien, Kosten und Wechselverhalten laufend und ordnet die Zahlen für Versicherte ein. Die Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über die Entwicklung der Krankenkassenprämien seit 2017.
| Jahr | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|
| 2027 | 5 % (Modellberechnung des BAG, definitive Zahl noch nicht bekannt) |
| 2026 | 4,4 % (Modellberechnung des BAG, definitive Zahl noch nicht bekannt) |
| 2025 | 5,7 % |
| 2024 | 8,1 % |
| 2023 | 5,4 % |
| 2022 | –0,5 % |
| 2021 | 0,4 % |
| 2020 | 0,2 % |
| 2019 | 1,1 % |
| 2018 | 3,7 % |
| 2017 | 4,8 % |
Quelle: BAG-Übersicht, BAG-Medienmitteilung 2026
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) berechnet die mittlere Prämie mit folgender Formel: Alle in der Schweiz gezahlten Prämien, geteilt durch die Gesamtzahl der Versicherten. Das heisst: Für die Berechnung der tatsächlichen mittleren Prämie muss das BAG wissen, wie viel die Versicherten im Prämienjahr bezahlt haben.
Wenn das BAG im September die mittlere Prämie für das Folgejahr bekannt gibt, stehen zwar die genehmigten Prämien der Krankenkassen fest. Noch nicht fest steht aber, wie viele Versicherte zu welcher Kasse, welchem Modell oder welcher Franchise wechseln. Diese Verteilung muss geschätzt werden. Deshalb kann die später tatsächlich gemessene durchschnittliche Prämienentwicklung von der im September kommunizierten Zahl abweichen.
Das heisst: Die am BAG-Tag angekündigte Prämienveränderung im Vergleich zum Vorjahr entspricht in der Regel nicht der tatsächlichen Änderung. Diese kann aus verschiedenen Gründen tiefer sein: Wenn zum Beispiel die Prämien stark steigen, wechseln mehr Personen zu einer günstigeren Krankenkasse. Dann fällt der effektive Anstieg der mittleren Prämie dadurch geringer aus.
So viel kosten die niedrigsten Prämien 2027 in Ihrer Prämienregion
Die Höhe der Krankenkassenprämien kann sich je nach Versicherung und Modell stark unterscheiden – auch innerhalb der gleichen Prämienregion. In den folgenden beiden Karten sehen Sie die jeweils niedrigste Prämie für die Franchisen von 300 Franken und 2’500 Franken je Gemeinde.
3. Warum steigen die Krankenkassenprämien?
Die Kosten für die Leistungen der Krankenkasse steigen weiterhin stark. Gemäss BAG rechnen die Krankenversicherungen für 2026 aktuell mit einem Kostenanstieg von über fünf Prozent.
Im Vergleich zum Vorjahr sind im zweiten Quartal 2026 folgende Leistungsbereiche besonders stark gestiegen:
Spitex-Leistungen: 15 Prozent
Psychologische Psychotherapie: 11 Prozent
Physiotherapie: 7 Prozent
Auch die generelle Teuerung sorgt für einen Anstieg der Krankenkassenprämien. Allerdings zeigt sich diese im Gesundheitswesen erst verzögert.
Die Bevölkerung wird älter, und der medizinische Fortschritt bringt neue Medikamente und Therapien, die Krankheiten besser behandeln oder teilweise überhaupt erst behandelbar machen. Das ist eine gute Nachricht für Patientinnen und Patienten. Aber gratis ist es nicht.
Ein gleichmässiger jährlicher Anstieg der Krankenkassenprämien von 4,5 Prozent bedeutet, dass die Prämie innerhalb von zehn Jahren um etwa 55 Prozent ansteigt.
Gemäss Comparis-Versicherungsexperte Harry Büsser ist das für Haushalte gefährlicher als ein einzelnes schlechtes Jahr: «Gesundheitspolitik ist dann erfolgreich, wenn sie das langfristige Kostenwachstum bremst, nicht wenn eine einzelne Prämienrunde etwas weniger schmerzhaft ausfällt.»
4. Prämien 2026 dürften die Kosten nicht ganz decken
Das BAG rechnet damit, dass 2026 die Kosten leicht höher sind als die Einnahmen durch die Prämien. Dadurch entsteht für 2027 ein Nachholbedarf. Denn: Die Prämien müssen einen Teil dieser Unterdeckung auffangen – zusätzlich zur Finanzierung des erwarteten Kostenwachstums.
Das lässt sich mit einer Haushaltskasse vergleichen. Wenn dauerhaft 101 Franken ausgegeben werden, aber nur 100 Franken hereinkommen, kann man die Differenz eine Zeit lang aus dem Ersparten decken. Auf Dauer müssen die Einnahmen aber wieder zu den Ausgaben passen.
5. Das neue Tarifsystem Tardoc macht die Kosten 2026 schwer lesbar
Anfang 2026 wurden neue Tarifsysteme eingeführt: Der Tardoc und die ambulanten Pauschalen haben das alte Tarifsystem Tarmed abgelöst. Dadurch haben sich besonders bei den Spitälern die Abrechnungen verzögert.
Das verzerrt derzeit das Bild der tatsächlichen Kostenentwicklung. Für das zweite Quartal 2026 wies das BAG anhand der bereits verarbeiteten Rechnungen nur ein Kostenwachstum von 0,4 Prozent aus. Es kann allerdings noch nicht abschätzen, wann die verzögerten Rechnungen aufgeholt werden und wie hoch der Kostenanstieg dann tatsächlich ausfällt.
Comparis-Versicherungsexperte Harry Büsser warnt vor einem Nachholeffekt:
Medizinische Leistungen werden nicht billiger, nur weil ihre Rechnungen später gestellt oder verarbeitet werden. Die ausgewiesenen 0,4 Prozent vermitteln deshalb ein trügerisch ruhiges Bild. Fällt der Nachholeffekt grösser aus als erwartet, könnte er sogar noch die Prämien 2028 belasten.
Sparpotenzial nutzen und persönliche Belastung reduzieren
Comparis-Versicherungsexperte Harry Büsser rät Versicherten dazu, durch einen Wechsel von Krankenkasse oder Modell die persönliche Belastung zu reduzieren. Denn: Die Leistungen sind gesetzlich vorgeschrieben und überall gleich – die Prämien unterscheiden sich allerdings teils stark.
«Die Gesundheitskosten kann der Einzelne kaum beeinflussen. Wie viel er persönlich für die Grundversicherung bezahlt, dagegen schon. Gerade nach einer weiteren kräftigen Prämienerhöhung lohnt sich ein Vergleich», sagt Büsser.
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Dieser Artikel wurde erstmals produziert am 27.09.2016




